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Das Portrait einer Erfolgsgeschichte: Der Türkische Generalkonsul Nevzat Arslan

BADEN-WÜRTTEMBERG
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Wir, das Team von Baden Haber, haben im Juni ein sehr angenehmes Interview vor Ort mit dem türkischen Generalkonsul Nevzat Arslan geführt. Wir bedanken sehr uns sehr herzlich für einen beeindruckenden Werdegang, eine inspirierende Persönlichkeit und die bescheidene Art unseres gastfreundlichen Generalkonsuls.
 
Zunächst einmal möchten wir uns bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie sich dazu bereit erklärt haben, unsere Fragen zu beantworten. Wir haben schon mit einigen erfolgreichen Persönlichkeiten aus unserer Region Interviews geführt. Auch dieses Interview soll auf selbiger Weise einerseits als Erfolgsgeschichte und Inspiration für unsere jungen Leser dienen und gleichzeitig wollten wir die Gelegenheit nutzen Sie in ihrem neuen Amt mit unseren Lesern bekannt zu machen. Falls es Fragen gibt, die Sie nicht beantworten möchten, überspringen Sie diese einfach und falls Sie noch etwas hinzufügen möchten, dann nehmen wir dies gerne an.
 
1)    Können Sie uns zuerst einmal von Ihrem Lebenslauf erzählen? Wo sind Sie geboren, an welchem Ort haben Sie Ihre Kindheit verbracht?
 
Ich bin in Igdir geboren. Wie ihr wisst befindet sich Igdir am östlichsten Ende der Türkei. Die Stadt grenzt an Nahcivan (Aserbaidschan), Armenien und Iran, ist für die Landwirtschaft sehr geeignet, bietet einen sehr reichen Boden und ist ein außergewöhnlicher Ort. Auch die Grenzen zu drei verschiedenen Ländern machen die Stadt zu einem sehr strategisch wichtigen Ort. Bis zur gymnasialen Oberstufe habe ich die Schule noch in Igdir besucht. Dann bin ich aufgrund der Verbeamtung meiner Schwester mit ihr als 16-Jähriger nach Ankara gezogen. Dort habe ich dann das Gymnasium absolviert.
 
2)    Welche Universität haben Sie besucht?
Von 1992 – 1996 habe ich Internationale Beziehungen an der Gazi Universität in Ankara studiert. Ihr wisst, Internationale Beziehungen kann man nicht einfach ohne eine Fremdsprache studieren. Während meiner Studienzeit bin ich einige Male nach Frankreich gereist um dort in Sommerkursen Französisch zu lernen. Etwas später habe ich dann in Belgien an der Liège Universität meinen Master absolviert und während dieser Zeit habe ich meine Französischkenntnisse sehr verbessert und konnte somit die Eingangsprüfung für das Amt beim Ministerium für auswärtige Angelegenheiten der Türkei bestehen. Beim Ministerium habe ich 1998 als Beamter angefangen zu arbeiten. 2011 habe ich schließlich an der Liège Universität im politischen Bereich promoviert.
 
Die französische Sprache hat mir während meiner beruflichen Laufbahn viele Türen geöffnet. Manchmal werde ich gefragt, woher ich mein Französisch habe. Dann scherze ich und antworte: „In der Türkei können nur Galatasaray-Anhänger und Leute aus Igdir Französisch sprechen.“
 
3) Können Sie uns etwas von Ihrem Weg zum Generalkonsul berichten? Was für Aufträge hatten Sie bevor sie Positionen im Ausland und als Generalkonsul innehatten?
 
Diplomaten sind Regierungsbeauftragte, die den Staat in internationalen Beziehungen vertreten. Der Beruf kann mit der generell akzeptierten Beschreibung: „Diplomatie ist die Kunst und Praxis des friedlichen Verhandelns in internationalen Konflikten“, am Besten in Worte fassen. Zu den Aufgaben eines Diplomaten gehören zum Beispiel die Vertretung und das Näherbringen des eigenen Staates im akkreditierten, fremden Staat und auch das Wahren der Rechte der eigenen Bürger.
 
Konsularische Tätigkeiten sind für mich ein sehr vertrautes Feld. Ich habe bereits zuvor in Generalkonsulaten in Brüssel und Genf gearbeitet. Auch in den Botschaften in Algerien und Kairo habe ich neben politischen Aufgaben die konsularische Abteilung verwaltet. Diese Aufgaben erledige ich gerne und mit gewisser Kompetenz. Ich bin immer mit einem lösungsorientierten Verständnis an die Sache gegangen und habe versucht Prozesse zu vereinfachen. Auf diese Weise erhielt ich auch immer positive Ergebnisse.
 
4) Vor Ihrem jetzigen Amt waren Sie bei der Botschaft in Paris. Wie war es für Sie aus Frankreich, vor allem aus einer so großen Stadt wie Paris nach Deutschland in diese Region zu kommen? Welchen Eindruck hat die hiesige Atmosphäre, ganz speziell bezüglich unserer Bürger und der Aktivitäten bei Ihnen erweckt? Welche Unterschiede haben Sie bemerkt?
 
Frankreich und Deutschland sind Staaten zu welchen wir tief verwurzelte und sehr unterschiedliche Beziehungen pflegen, außerdem sind es die zwei wichtigsten Mitgliedsstaaten der EU und gleichzeitig auch unsere NATO Verbündeten. Es war für mich eine wichtige Gelegenheit in ein Amt sowohl in Paris als auch in Deutschland zu übernehmen. In Paris hatte ich eher politische Aufgaben, hier arbeite ich für das wichtigste Element der Deutsch-Türkischen Beziehung, für türkische Staatsbürger.
 
Ich kann sagen, dass ich die türkische Bevölkerung in Deutschland als erfolgreich einschätze. Sie haben die Problematiken aus den anfänglichen Einwanderungsjahren hinter sich gelassen und leben im Einklang mit der deutschen Bevölkerung, respektieren die Gesetze, arbeiten in fast allen Berufsfeldern, engagieren sich in sehr vielen Bereichen und bereichern die Deutsche Gesellschaft durch ihre die bunte, unterschiedliche Kultur.
 
5)  Wie wir alle wissen leben in Deutschland viele türkische Staatsbürger oder Deutsche mit türkischen Wurzeln. Denken Sie, dass sich unsere immigrierten Bürger in den letzten 10-20 Jahren im Bildungsbereich und in diversen Berufsfeldern weiterentwickelt haben? Empfinden Sie bestimmte Entwicklungen als besonders wichtig?
 
Im Bereich der Bildung gibt es verglichen mit den ersten Einwanderungsjahren großartige Entwicklungen. Trotz all den Schwierigkeiten haben sie sich fest ans Leben geklammert und sich in das reibungslos funktionierende deutsche System integriert. Unsere Leute sind sehr fleißig. Berufsschulen sind unter anderem die Basis dieser starken deutschen Wirtschaft. Es gibt über 350 verschiedene Berufe, die erlernt werden können. Daher empfehle ich unseren Jugendlichen, bei ihrer Berufswahl unterschiedliche Berufe auszuwählen. Wir, das Generalkonsulat, arbeiten mit der Agentur für Arbeit Karlsruhe und der IHK zusammen, um unsere jungen Leute bei ihrer Wahl zu unterstützen. Falls Hilfe benötigt werden sollte, können sich die Jugendlichen an unseren Arbeitsattaché wenden.  
 
6)  Sie unterrichten auch am Generalkonsulat. Was genau erwarten Sie von Projekten wie diesen und wie groß ist die Beteiligung? Falls Sie noch andere Projekte im Bildungsbereich, oder auch in anderen Bereichen haben sollten, würden wir uns freuen, wenn Sie etwas über diese berichten könnten.
 
Bildung gehört zu den zwei wichtigsten Themen, mit denen wir uns bevorzugt beschäftigen. Wir möchten, dass unsere Kinder erfolgreich in der Schule werden und später gute Positionen erreichen. Dabei ist es auch wichtig, dass sie Türkisch sprechen und schreiben lernen. Obwohl sie ohne großartigen Aufwand bilingual aufwachsen könnten, vernachlässigen sie die türkische Sprache und verlieren somit ihre Muttersprache. Damit unsere Kinder unsere Muttersprache erlernen können, beschäftigt unser Staat türkische Lehrer in Deutschland. Wir erwarten eben auch, dass unsere Bürger sowohl für den schulischen Erfolg, als auch im Bereich der türkischen Ausbildung ihrer Kinder mehr Hingabe zeigen.  Aus diesem Grund möchte ich auch betonen, dass es ein Bedürfnis und Grundrecht zugleich ist, Türkisch als Fremdsprache in die offiziellen Lehrpläne der Schulen zu integrieren, sodass die Sprache auch einen Einfluss auf das Bestehen der Schulen haben könnte. Um die Ausbildung unserer Menschen zu unterstützen, bieten wir im Gebäude des Generalkonsulats Deutsch-, Türkisch- und Alphabetisierungskurse an. Speziell für Frauen haben wir auch Orientierungskurse eingeführt, jedoch kamen bisher keine Schüler!
 
An unseren Alphabetisierungskursen nehmen um die 20 Frauen im fortgeschrittenen Alter teil. Diesen Menschen ein Erfolgsgefühl zu geben macht uns sehr glücklich. Mit unserem Bildungsattaché versuchen wir momentan in den Städten der badischen Region, in welchen sich unsere Lehrer befinden, solche Alphabetisierungskurse einzurichten.  Unsere Deutschkurse sind speziell für unsere Bürger gedacht, die aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind und die Sprachbarriere nicht beseitigen konnten. Der Türkisch-Unterricht ist für diejenigen Kinder, die an ihren eigenen Schulen keinen Türkisch-Unterricht besuchen können. Projekte dieser Art werden wir erweitern und weiterführen.
 
7)  Wie können sich unsere Leser am Besten über Projekte und Veranstaltungen des Generalkonsulats informieren?
 
Sie können den Socialmedia-Profilen des Generalkonsulats folgen. Auf unserer Facebookseite teilen wir regelmäßig verschiedene Ankündigungen. Ich lade alle unsere Bürger dazu ein, unserer Seite zu folgen. Manchmal ist es einfacher uns über eine E-Mail oder eine Facebook-Nachricht zu erreichen.
 
8)  Viele unserer Baden Haber Leser sind noch Studenten. Welche Empfehlungen können Sie unseren jungen Lesern, als jemand, der die Hochschule absolviert und ein sehr wertvolles Amt erfolgreich innehat, mitgeben?
 
Sie sollten sich zunächst ein Ziel setzen. Ein Schiff ohne eine feste Route kann auch keinen Hafen anzielen, an dem es schließlich andockt. Als nächstes sollten sie unabhängig vom Ausbildungsweg eine Fremdsprache, wenn nicht sogar mehrere Fremdsprachen erlernen. Wenn sie bereits Deutsch sprechen, sollten sie Englisch, oder Französisch lernen. Sie sollten reisen und verschiedene Kulturen kennen lernen. In der Türkei kann man in letzter Zeit unterschiedliche Praktika absolvieren oder an Kursprogrammen teilnehmen. Solche kann ich empfehlen. Sie sollten sich für Sport und Kunst interessieren. Zum Beispiel könnten sie verschiedenen Sportarten ausprobieren oder ein Instrument erlernen.
 

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